Problembehebung: Fehlende Netzwerkkarte in Windows 10 VM unter Proxmox

Wer bereits einmal eine virtuelle Maschine (VM) mit dem Betriebssystem Windows 10 (deutsche Version) unter Proxmox VE erstellt hat, ist möglicherweise auf das bekannte Problem gestoßen, dass keine Netzwerkkarte erkannt wird.

Ein funktionierender und unkomplizierter Lösungsansatz bestand darin, der betroffenen Windows 10 VM einen USB-Ethernet-Adapter hinzuzufügen. Nach dem Hinzufügen des Adapters wurde die Netzwerkkarte innerhalb des Betriebssystems sofort erkannt, und die Netzwerkanbindung funktionierte ohne weitere Konfiguration. Es ist davon auszugehen, dass dieser Workaround auch mit anderen kompatiblen Netzwerkkarten funktioniert.

Zum Zeitpunkt der Erstellung dieser VM war der Maschinentyp auf „pc-q35-6.0“ eingestellt. Diese Einstellung stammt noch aus vorherigen Tests und wurde in diesem Fall nicht verändert.

Geplant ist, zukünftig weitere Tests mit alternativen Maschinentypen und Netzwerkkarten durchzuführen. Ergebnisse und Empfehlungen werden entsprechend in diesem Beitrag ergänzt.


Beispiel: USB-Ethernet-Adapter in Proxmox-VM integrieren (Windows 10)

Voraussetzung:

  • Der USB-Ethernet-Adapter ist am Proxmox-Host angeschlossen und wird erkannt.
  • usbutils ist installiert, um USB-Geräte aufzulisten:

apt update && apt install usbutils

Schritt 1: USB-Gerät identifizieren

lsusb

Beispielausgabe:

Bus 001 Device 004: ID 0bda:8153 Realtek Semiconductor Corp. RTL8153 Gigabit Ethernet Adapter

Die ID 0bda:8153 benötigen wir für den nächsten Schritt.

Schritt 2: USB-Gerät in die VM einbinden

Option A: Über die Web-GUI
  1. Proxmox Web-GUI öffnen.
  2. VM auswählen → HardwareAddUSB Device.
  3. Das passende Gerät aus der Liste auswählen (z. B. der Realtek-Adapter).
  4. Bestätigen und die VM neu starten.
Option B: Direkt in der VM-Konfigurationsdatei (/etc/pve/qemu-server/<VMID>.conf)

Beispiel-Konfigurationszeile:

usb0: host=0bda:8153

Danach VM neustarten, damit das Gerät übernommen wird.

Schritt 3: In Windows 10 überprüfen

Nach dem Neustart der VM:

  • Öffne den Geräte-Manager (devmgmt.msc).
  • Unter Netzwerkadapter sollte der USB-Ethernet-Adapter erscheinen.
  • Falls notwendig, installiere passende Treiber (oft automatisch durch Windows Update erkannt).

Zusätzlicher Hinweis: Maschinentyp und Kompatibilität

Wie bereits erwähnt, war bei dir der Maschinentyp:

machine: pc-q35-6.0

Dieser Typ ist meist gut kompatibel mit modernen Windows-Gästen. Dennoch lohnt es sich, bei Problemen auch andere Typen wie pc-i440fx-* zu testen, insbesondere wenn ältere Betriebssysteme verwendet werden.

GPU & PCIe-Passthrough unter Proxmox: So gibst du deiner VM Superkräfte

Wer unter Proxmox eine leistungsstarke VM betreiben will – etwa für Gaming, Video-Encoding, KI-Workloads oder einfach nur um Windows flüssig mit echter Hardware laufen zu lassen – kommt an PCIe-Passthrough nicht vorbei. Damit kannst du deiner VM eine physische GPU oder andere PCIe-Geräte direkt zuweisen – mit voller Power, als wären sie fest eingebaut.

In diesem Blogbeitrag zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du das einrichtest.

Was du brauchst

Bevor es losgeht, check diese Voraussetzungen:

  • Proxmox VE installiert (empfohlen: aktuelle Version)
  • CPU & Mainboard unterstützen IOMMU (VT-d bei Intel / AMD-Vi bei AMD)
  • Die gewünschte Hardware ist nicht vom Host belegt (z. B. keine Boot-GPU)

Schritt 1: IOMMU aktivieren

Zuerst müssen wir IOMMU im Kernel aktivieren, damit der Host PCIe-Geräte sauber an VMs weitergeben kann.

nano /etc/default/grub

Zeile anpassen:

Für Intel:

GRUB_CMDLINE_LINUX_DEFAULT="quiet intel_iommu=on"

Für AMD:

GRUB_CMDLINE_LINUX_DEFAULT="quiet amd_iommu=on"

Dann speichern, und GRUB neu schreiben:

update-grub

Schritt 2: VFIO-Module laden

Ergänze diese Module in /etc/modules:

nano /etc/modules

vfio
vfio_iommu_type1
vfio_pci
vfio_virqfd

Optional kannst du einen Neustart vorziehen – oder gleich weitermachen und später rebooten.

Schritt 3: Die Hardware identifizieren

Welche PCIe-Geräte willst du durchreichen?

Finde sie mit:

lspci

Beispielausgabe:

01:00.0 VGA compatible controller: NVIDIA Corporation GP104 [GeForce GTX 1080]

Dann hol dir die ID:

lspci -n -s 01:00.0

Beispiel:

10de:1b80

Notieren!

Schritt 4: VFIO zwingen, das Gerät zu übernehmen

Erstelle eine neue Datei:

nano /etc/modprobe.d/vfio.conf

Und trage ein:

options vfio-pci ids=10de:1b80

Wenn du z. B. noch das zugehörige Audio-Device hast (01:00.1), kannst du mehrere IDs mit Komma angeben:

options vfio-pci ids=10de:1b80,10de:10f0

Außerdem solltest du sicherstellen, dass der Host keinen falschen Treiber lädt (z. B. nouveau):

echo "blacklist nouveau" >> /etc/modprobe.d/blacklist.conf

Schritt 5: Reboot

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für einen Reboot:

reboot

Schritt 6: VM konfigurieren

Bearbeite die Konfiguration deiner VM:

nano /etc/pve/qemu-server/100.conf

Und füge das hinzu:

hostpci0: 01:00.0,pcie=1

Wenn du z. B. auch das Audio-Device durchreichen willst:

hostpci0: 01:00.0;01:00.1,pcie=1

Wichtig: pcie=1 ist notwendig, wenn die VM als UEFI (OVMF) läuft.

Kontrolle: Hat’s geklappt?

Prüfen, ob VFIO das Gerät übernommen hat:

lspci -nnk -d 10de:1b80

Erwartet:

Kernel driver in use: vfio-pci

Auch dmesg gibt Aufschluss:

dmesg | grep -i vfio

USB-Geräte durchreichen

Willst du z. B. ein USB-Dongle oder Headset durchreichen?

Mit lsusb findest du die ID:

lsusb

Dann in die VM-Config:

usb0: host=1234:abcd

Fazit

Mit PCIe-Passthrough holst du das Maximum aus deiner Hardware raus. Egal ob du eine Windows-Gaming-VM, einen macOS-Hackintosh oder einen CUDA-Worker betreiben willst – Proxmox macht’s möglich.

Wenn du Fragen zu IOMMU-Gruppen, UEFI-Support oder BIOS-Einstellungen hast: Schreib’s in die Kommentare oder kontaktiere mich direkt.